Synthetische Wirkstoffe in Laborutensilien mit Pflanzen für Forschung und Entwicklung.

Synthetische Wirkstoffe –„synthetisch“ nicht gleich „schädlich“

Nadia Ruß

Synthetische Wirkstoffe vs. Biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe – was ist der Unterschied?

Warum dieses Thema wichtig ist

Begriffe wie biotechnologisch, synthetisch oder fermentativ hergestellt tauchen in der modernen Hautpflege immer häufiger auf. Gleichzeitig herrscht bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern Unsicherheit: Ist synthetisch schlecht? Ist biotechnologisch natürlicher? Und ist Fermentation überhaupt vegan?
Dieser Beitrag schafft Klarheit – faktenbasiert und transparent.

Was bedeutet „synthetisch hergestellt“?

Synthetisch hergestellte Wirkstoffe entstehen durch chemische Reaktionen im Labor. Dabei werden definierte Ausgangsstoffe – häufig chemisch oder petrochemisch – miteinander verknüpft, um ein gewünschtes Molekül herzustellen.

Wichtig dabei:

  • „Synthetisch“ bedeutet nicht automatisch schädlich
  • Viele synthetische Stoffe sind hochrein, stabil und wirksam
  • Das Endmolekül kann identisch mit einem natürlichen Stoff sein
  • Der Unterschied liegt nicht im Ergebnis, sondern im Herstellungsweg.

Was bedeutet „biotechnologisch hergestellt“?

Biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe entstehen mithilfe Mikroorganismen wie Bakterien oder Hefen. Diese produzieren den gewünschten Stoff im Rahmen eines kontrollierten Fermentationsprozesses.

Typische Merkmale:

  • Nutzung von Mikroorganismen (keine Lebewesen)
  • Ausgangsstoffe meist pflanzliche Zucker oder Fettsäuren
  • Der Wirkstoff wird anschließend isoliert, gereinigt und stabilisiert
  • Im Endprodukt sind keine Mikroorganismen enthalten

Biotechnologie wird heute gezielt eingesetzt, um hochreine, nachhaltige und reproduzierbare Wirkstoffe herzustellen. In der Fachwelt ist bekannt, dass natürliche Rohstoffe oft mit Schwermetallen aus dem Boden, Pestizidrückständen oder eben mikrobiellen Belastungen (Schimmelpilze, Bakterien) zu kämpfen haben. Synthetische Stoffe hingegen werden im Labor unter kontrollierten Bedingungen (GMP – Good Manufacturing Practice) hergestellt. Ihre Reinheit lässt sich oft bis auf 99,9 % exakt definieren.

Biotechnologisch = vegan?

Ja. Eindeutig.

Ein Wirkstoff gilt als vegan, wenn:

  • keine tierischen Rohstoffe verwendet werden
  • keine tierischen Bestandteile im Endprodukt enthalten sind
  • keine tierischen Zellen oder Gewebe genutzt werden

Bakterien und Hefen sind keine Tiere.
Sie gehören biologisch zu einem völlig anderen Reich. Deshalb sind fermentativ hergestellte Wirkstoffe wie:

  • Hyaluronsäure
  • Ectoin
  • Ceramide
  • bestimmte Peptide

vegan, sofern keine tierischen Nährmedien eingesetzt werden (was bei moderner Kosmetikstandard ist).

Warum biotechnologische Verfahren in der Clean Beauty bevorzugt werden

Biotechnologische Herstellungsverfahren gelten in der modernen Premium-Kosmetik als besonders hochwertig, weil sie:

  • sehr ressourcenschonend sind
  • eine gleichbleibend hohe Qualität ermöglichen
  • oft weniger Lösungsmittel benötigen
  • eine hautidentische Molekülstruktur erzeugen können

Für Clean-Beauty-Marken ist zudem entscheidend, dass biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe transparent, nachvollziehbar und gut verträglich sind.

Wirken synthetische und biotechnologische Wirkstoffe unterschiedlich?

In vielen Fällen: nein.
Wenn das Endmolekül identisch ist, unterscheidet sich die Wirkung auf der Haut nicht zwangsläufig.

Der Unterschied liegt vor allem in:

  • Nachhaltigkeit
  • Herstellungsphilosophie
  • Akzeptanz in Clean-Beauty- und Naturkosmetik-Standards
  • Markenkommunikation und Transparenz

Fazit: Nicht „natürlich vs. synthetisch“, sondern bewusst hergestellt

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein Wirkstoff synthetisch oder biotechnologisch hergestellt wurde, sondern:

  • Wie hochwertig ist der Rohstoff?
  • Wie transparent ist die Herstellung?
  • Ist der Wirkstoff hautidentisch und gut verträglich?

Biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe vereinen heute wissenschaftliche Präzision, Nachhaltigkeit und vegane Ethik– und sind deshalb ein zentraler Bestandteil moderner Clean-Beauty-Pflege.

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